Wenn die Welle plötzlich kommt
Manchmal trifft es dich wie aus dem Nichts. Du kannst nicht einmal sagen, was der Auslöser war. War es eine Erinnerung? Ein Gedanke an die Zukunft? Ein vertrauter Geruch, ein Lied, ein Augenblick? Plötzlich ist sie da – diese Schwere. Manchmal bleibt sie nur für eine kurze Weile, manchmal hält sie dich länger gefangen und zieht dich hinab in ein Loch.
Funktionieren, obwohl alles stillsteht
Nach außen lächelst du. Du machst weiter. Du kümmerst dich um die Kinder, gehst zu Terminen, erledigst das Nötigste. Aber innen? Da ist es still und dunkel. Die Kraft reicht kaum für das Minimum. Der Haushalt bleibt liegen, die To-Do-Liste wächst, und selbst die kleinsten Dinge fühlen sich riesig an.Die Kinder lachen. Spielen. Sie sind glücklich. Und du? Du bist froh darüber – weil es dir die Erlaubnis gibt, loszulassen. Weil es dir sagt: Es reicht, was ich gerade schaffe. Auch wenn du weißt, dass du mehr könntest. Mehr Ausflüge, mehr Lachen, mehr gemeinsame Zeit. Aber gerade geht es nicht.
Diese leise Frage
Bin ich deswegen ein schlechter Elternteil? Versage ich? Bin ich faul?Nein.Das bist du nicht. Du bist erschöpft. Du bist in Trauer. Du trägst einen Schmerz, den man von außen nicht immer sieht. Und du darfst so sein. Es ist kein Versagen – es ist menschlich.
Die andere Seite – sie kommt wieder
Denn es gibt auch diese anderen Tage. Tage, an denen du aufwachst und die Schwere ist weg. An denen du wieder atmest, wieder planst, wieder lachst. Dann schaffst du es, deinen Kindern Erlebnisse zu schenken, die bleiben. Du schaffst den Haushalt, du schaffst dich selbst. Du schaffst Leben – nicht nur Funktionieren.Diese Wellen gehören dazu. Sie kommen. Sie gehen. Und auch wenn sie sich jedes Mal anfühlen, als würden sie dich zerreißen – sie ziehen weiter.
Warum jetzt?
Es sind fast neun Monate vergangen. Und plötzlich ist da wieder dieser Sog. Warum? Vielleicht, weil so vieles gleichzeitig passiert: Unser Hochzeitstag. Die Eingewöhnung des Kleinsten in die Kita. Das Ende meiner Elternzeit. Gerade, als wir unseren neuen Rhythmus gefunden hatten, wird er wieder durcheinandergewirbelt.Ich wusste, dass es kommt. Aber Wissen schützt nicht vor Schmerz. Und so frage ich mich: Schaffe ich das? Schaffen die Kinder es ohne mich?Die Antwort ist: Ja, wir schaffen das.Und trotzdem: Ich darf jetzt Angst haben. Ich darf jetzt schwach sein. Ich darf jetzt trauern.
Es darf wehtun
Das gibt mir Kraft: zu wissen, dass diese Phasen nicht bleiben. Dass wieder Tage kommen, die heller sind. Aber heute? Heute darf es schwer sein. Heute darf ich fallen. Heute darf ich fühlen.
Und vielleicht ist das die wahre Stärke in der Trauer: nicht immer stark zu sein, sondern trotz aller Dunkelheit weiterzugehen – Schritt für Schritt, bis wieder ein Licht durch die Risse fällt.

Kommentar verfassen