Weiter ohne dich

Trauerblog einer alleinerziehenden Witwe – unser Weg mit drei Kindern nach dem Verlust

„Es geht mir gut“ – Drei Worte zwischen Wahrheit und Schutz

Wenn „Es geht mir gut“ nicht die ganze Wahrheit ist

Manchmal sage ich: „Es geht mir gut.“
Ein Satz, der leicht über die Lippen geht – und doch so vieles verschweigt.

Ich sage ihn, weil er einfacher ist.
Weil ich nicht jedes Mal erklären möchte, dass die Trauer immer noch da ist.
Nicht so laut und überwältigend wie am Anfang, aber immer spürbar.
Sie ist Teil meines Alltags geworden – wie ein leiser Schatten, der mit mir durch die Tage zieht.

Es gibt Momente, da vergesse ich sie fast.
Ich lache, mache Pläne, lebe.
Und dann reicht ein Lied, ein Geruch, ein Gedanke – und plötzlich ist sie wieder da.
Unaufdringlich und doch so nah, dass mir die Luft kurz wegbleibt.

Warum wir unsere Trauer manchmal verstecken

Aber das alles zu erzählen, jedes Mal, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht?
Das kostet Kraft.
Und manchmal sehe ich in den Gesichtern der anderen diese Unsicherheit, dieses Unbehagen.
Sie wissen nicht, was sie sagen sollen.
Manche wechseln das Thema, andere werden still.
Und ich will sie nicht überfordern.

Also sage ich: „Es geht mir gut.“
Ein kleiner Satz, der schützt – sie und mich.
Er bewahrt das fragile Gleichgewicht zwischen Ehrlichkeit und Rückzug.

Das Schweigen, das einsam macht

Doch jedes Mal, wenn ich ihn sage, bleibt da etwas unausgesprochen.
Ein Stück Wahrheit, das keinen Platz findet.
Und manchmal tut genau das weh.
Weil es einsam macht, dieses ständige Funktionieren.
Weil es mich von den Menschen trennt, die es doch eigentlich gut meinen.

Ich weiß, die meisten wollen helfen.
Aber manchmal ist das Beste, was man tun kann, einfach da zu sein.
Nicht mit großen Worten, sondern mit echtem Mitgefühl.
Ein Blick, ein Nicken, ein ehrliches: „Ich weiß, dass es nicht leicht ist.“ – das reicht.

Was wirklich hilft: Verständnis statt Worte

Trauer ist kein Zustand, den man hinter sich lässt.
Sie verändert sich, wächst mit, wird stiller, weicher – aber sie bleibt.
Sie erinnert mich an Liebe, an Verbundenheit, an das, was war.
Und in dieser Erinnerung liegt auch Trost.

Trauer darf bleiben – und das ist in Ordnung

Wenn ich also sage: „Es geht mir gut“,
dann heißt das vielleicht:
Ich halte mich über Wasser.
Ich trage die Erinnerung in mir.
Ich lebe weiter – mit allem, was dazugehört.

Und das ist genug. 🌿


Manchmal sage ich: „Es geht mir gut.“ Nicht, weil es wahr ist, sondern weil es einfacher ist, als zu erklären, dass Trauer bleibt – leiser, aber spürbar. Ein Text über das Bedürfnis, andere zu schützen, und die leise Sehnsucht, trotzdem verstanden zu werden.

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