Weiter ohne dich

Trauerblog einer alleinerziehenden Witwe – unser Weg mit drei Kindern nach dem Verlust

Manchmal habe ich das Gefühl, die Welt dreht sich einfach weiter, während ich irgendwo zwischen gestern und heute festhänge. Die Menschen gehen arbeiten, lachen, machen Pläne für die Zukunft – und ich? Ich versuche jeden Tag aufs Neue, in einem Leben anzukommen, das ich so nie wollte.

Es ist jetzt acht Monate her, und doch fühlt sich vieles noch an, als wäre es gerade erst passiert. Ich stehe im Supermarkt, höre das Lachen anderer Familien, sehe Paare beim Spazierengehen, und es trifft mich wie ein Schlag: Für sie geht das Leben weiter – für mich nicht so richtig. Noch nicht.

Das unsichtbare Band der Trauer

Trauer sieht man nicht. Ich trage sie in mir, leise, schwer, unsichtbar. Außenstehende sehen vielleicht eine Frau, die funktioniert, die ihre Kinder versorgt, die weiterlebt. Aber innerlich fühlt es sich oft an, als würde ich auf der Stelle treten, während alle anderen längst weitermarschiert sind.

Dieses unsichtbare Band bindet mich an eine Vergangenheit, die ich nicht loslassen will – und an eine Zukunft, vor der ich manchmal Angst habe.

Warum dieser Stillstand schmerzhaft und wichtig zugleich ist

Es tut weh, wenn man das Gefühl hat, abgehängt zu sein. Aber vielleicht gehört dieser Stillstand auch dazu. Er ist mein Weg, meine Art, Schritt für Schritt zu begreifen, was passiert ist. Man kann nicht einfach weitergehen, als wäre nichts gewesen.

Trauer braucht Zeit. Und manchmal braucht sie genau diesen Stillstand, damit wir eines Tages wirklich weitergehen können – nicht, weil wir vergessen haben, sondern weil wir gelernt haben, mit diesem Verlust zu leben.

An alle, die nicht trauern

Vielleicht liest das hier jemand, der selbst nicht betroffen ist. Jemand, der sich fragt, warum wir Trauernden nicht einfach wieder „ins Leben zurückkommen“. Ich wünsche mir, dass ihr versteht: Wir wollen nicht stehenbleiben. Aber wir brauchen Zeit. Wir brauchen euer Verständnis. Wir brauchen manchmal einfach nur ein offenes Ohr – ohne dass jemand versucht, uns voranzutreiben.

An alle, die trauern

Wenn du das liest und gerade das Gefühl hast, die Welt zieht an dir vorbei: Du bist nicht allein. Es ist okay, wenn dein Leben gerade stillsteht. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass du geliebt hast.

Vielleicht wird eines Tages wieder ein Schritt nach vorn möglich sein. Vielleicht ist heute noch nicht dieser Tag. Aber er wird kommen – auf deine Weise, in deinem Tempo.

Fühlst du dich auch manchmal, als würde die Welt ohne dich weitermachen?
Schreib mir gern deine Gedanken – hier darf alles Platz haben, auch das, was draußen oft keinen Platz findet.

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3 Kommentare zu „Wenn die Welt weitergeht – und meine noch stillsteht“

  1. Avatar von gedankenmusik

    Liebe Sissy,
    vielen Dank erstmal für dein Like bei einem meiner Beiträge 😉 Da ich neugierig bin, folgte ich dem Namen, um zu schauen, wer meine Seite besucht hat *lächel*, las diese Zeilen von dir und kann alles nur zu gut nachvollziehen, da ich seit 2 Monaten auf dem gleichen Weg bin… deine Gefühle, die Traurigkeit, der Verlust eines geliebten Menschen… Auch ich habe, wie du bei mir gelesen hast, einen geliebten Menschen verloren und mir kam es beim lesen so vor, dass du auch meine Gefühle genau treffend beschrieben hast… vielen Dank auch für die Erkenntnis, dass es nicht nur mir so geht mit meiner Ohnmacht der Realität gegenüber, mit dem Verlust klarkommen zu müssen. Es tut gut, nicht alleine damit zu sein… auch wenn man es niemandem wünscht, in einer solchen Situation zu sein. Ich danke dir erstmal herzlich für deinen Besuch bei mir und bin froh, über diesen Weg die deine Seite gefunden zu haben. Da nehme ich mir doch auf meinem Rückweg das „ich folge dir“- Schild mit, damit ich den Weg immer mal wieder zu deiner Seite zu finden 😉

    Herzliche Grüße
    Heike

    1. Avatar von Sissy Eisermann

      Liebe Heike, danke für deine Worte. Wie du es sagst, mann wünscht keinem diese Situation, aber gleichzeitig spendet es etwas Trost, zu wissen man ist nicht alleine. Jede Trauer ist so individuell, aber gleichzeitig stehen wir alle die selben Gefühle durch. Fühle dich gedrückt.

      1. Avatar von gedankenmusik

        Vielen lieben Dank Sissy🥹

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